Samstag, 7. Januar 2012

Vergessene Haushaltskünste: Einkochen

Nun habe ich ein paar Menschen versprochen, doch mal eine kurze (...) Abhandlung zum Thema Einkochen zu schreiben.

Einkochen ist für einige Dinge eine wunderbare Alternative zum Einfrieren.

Vorteile gegenüber dem Einfrieren:
  • man konserviert die "Arbeitsleistung" gleich mit, nichts muss aufgetaut werden, einfach aus dem Glas raus und erhitzen (oder auch im geöffneten Glas in die Microwelle)
  • man spart Platz im Tiefkühlbereich bzw. man schafft Platz für Dinge, die wirklich nur dem Tiefkühler vorbehalten sind. Die Vorratshaltung wird deutlich effizienter.
  • man spart auf Dauer auch Energie. Alles was im TK liegt verbraucht Energie. Je voller der TK, umso mehr Energie braucht er. Das Einkochen kostet einmal Energie, das eingekochte Glas verbraucht keine Energie.
  • Eingekochtes ist i.d.R. länger haltbar als Eingefrorenes. 

 Problematisch ist Einkochen für:
  • stärkehaltige Produkte (also Beilagen wie Kartoffeln, Nudeln, Reis)
  • Gerichte mit Sahne (wer also Tomatensuppe einkocht sollte sich mit dem Gedanken anfreunden, dass die Sahne später frisch dazugegeben wird)
  • Obst und Gemüse dass man gerne "knackig" essen möchte
Der Grund dafür ist, dass beim Einkochen Sahne + Kartoffeln einfach kaputtgekocht werden.


Das Prinzip des Einkochens:

Das Einkochen beinhaltet zwei Faktoren zum Haltbarmachen. Zum einen werden die Gerichte / Gemüse / Obst durchgekocht und damit alle Gammelkeime abgetötet.
Zum anderen bildet sich ein Vakuum.
Wenn man einkocht, verschließt man ja das Glas mit Gummiring und Deckel (das liegt dann lose aufeinander) und fixiert das Konstrukt mit so Metallklammern. Wenn das Einkochgut dann im Glas kocht, blubbert es fleissig und die überschüssige Luft kann noch zwischen Gummiring und Deckel entweichen.
In dem Moment wo das Glas dann abkühlt, zieht sich die Luft im Glas zusammen. Damit zieht sich auch der Deckel an Gummiring und das ganze wird bombendicht.


Was kann man alles Einkochen?

Bolognese natürlich! Aber auch andere Fleischgerichte. Gulasch, Geschnezeltes, Ragouts, Rouladen, ....
Gemüse, Obst, Marmeladen, .... sogar Kuchen kann man "einkochen". Selbstgemachte Wurst (habe ich noch nicht probiert, steht aber auf meiner ToDo-Liste..),Chutneys, Ketchup, Suppen, Brühe, Kompott, Muß ....


Was man zum Einkochen braucht:

Ich empfehle folgenden "Produktumfang":

  • Das Weck Einkochbuch --> da geht m.E. kein Weg dran vorbei, grade wenn man "Anfänger" ist. Es ist alles ausfürhlichst erklärt, alle Kochzeiten, Haltbarkeitszeiten, Möglichkeiten, tolle Rezepte usw. sind darin erläutert.
  • Weck Gläser, Deckel, Metallklammern --> hier empfehle ich unbedingt mal Muttis, Omis, Nachbarn usw. anzusprechen. Viele Leute haben Weckgläser im Keller und brauchen sie nicht mehr. Einwecken ist in Zeiten von Dosenfutter, Microwellenfertiggerichten und Tiefkühltruhen total aus der Mode gekommen. Nutzt diese Tatsache und deckt euch gratis ein! Ebay kann man auch bemühen. Am besten Abholangebote in eurer Nähe suchen.Achtet bei den Gläsern darauf, dass sie heile sind, insbesondere dort wo der Deckel aufliegt dürfen keine "Lunker" sein.
  • passende Gummiringe - habe ich nicht in einem Atemzug mit den Gläser und Klammern genannt - die sollte man frisch kaufen. Es wäre ärgerlich wenn's einem das Einkochgut versaut, weil der Gummiring alt und porös war. Gummringe gibts in jedem Supermarkt, Gläser ausmessen (oder mitnehmen) und los geht's.
  • Nun kann man eigentlich schon loslegen. Einkochen ist im Backofen möglich. Firma Weck rät davon ab und empfiehlt den eigenen Einkochtopf... Das ist zum einen natürlich sehr geschäftstüchtig... nun zum anderen, ich habe so einen Einkochtopf und es klappt wirklich besser. Ich gehe auch davon aus, dass der Einkochtopf weniger Energie verbraucht als der Backofen. Aber das ist nur meine Vermutung. Das hier ist der Ömmel, den wir besitzen:                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Es gibt mit Sicherheit auch andere Fabrikate, es gibt Ebay - es gibt möglicherweise ein Exemplar in eurer Familie oder ungenutzt bei Nachbarn oder Freunden. Man kann auch einen normalen Kochtopf benutzen, dann muss man unten hinein ein Geschirrtuche legen. Im Wecktopf kann man aber die Temperatur besser einstellen und es ist ein Gitter darin, dass die Umspülung der Gläser mit Wasser auch von unten sicherstellt.
  • Man muss die Gläser anfassen können wenn man sie aus dem Topf oder Ofen hebt, dafür gibt es sogenannte Glasheber.
  • dann gibt es noch diverses Zubehör wie zum Beispiel Einfüllhilfen, Etiketten, ... ich denke das muss jeder selbst wissen was er da noch braucht. Mit der Einfüllhilfe liebäugel ich persönlich auch. Denn Sauberkeit ist da A und O beim Einkochen und am Rand darf einfach kein Rest des Einkochguts sein. Das kostet ja auch so das ein oder andere Küchenpapier...


Das Einkochen selbst...

... ist überraschend einfach.
  • Gläser und Deckel gründlich reinigen und am besten auf ein Geschirrtuch stellen (verhindert Platzen der Gläser wenn man Heißes einfüllt)
  • Einkochgut einfüllen (Füllhöhe variiert je nach Einkochgut, das steht aber alles in dem Buch erläutert), 
  • Rand säubern (!!!) 
  • Gummring auflegen, Deckel drauf und Klammern dran
  • ab damit in den wassergeüllten Automaten oder Ofen - Zeiten siehe Einkochbuch (zur Not hilft auch mal Google) --> Einkochgut und Wasser im Automaten sollten zu diesem Zeitpunkt dieselbe Temperatur haben
  • nach Ablauf der Zeit Gläser entnehmen und Abkühlen lassen
  • nach dem Abkühlen Klammern entfernen 
  • Deckel hält? Herzlichen Glückwunsch - Einkochvorgang erfolgreich beendet!


Alternativen zum Weckglas

  • Twistgläser - wie man sie für Marmelade kennt. Die gehen aber auch nur für Marmelade. Oder Sirups. Also Dinge, die schon in sich Konservierungsmittel enthalten. In dem Fall Zucker und Zitronensäure. Auch hier bildet sich, wenn man heiß einfüllt ein Vakuum. Wenn man das Glas öffnet "ploppt" es. Man kann auch "Gebrauchtgläser" von gekaufter Marmelade nehmen. Aber Vorsicht - die Beschichtung im Deckel ist eigentlich für den einmaligen Gebrauch ausgelegt. 
  • Schraubgläser von Leifheit. Das ist anderes Einkochsystem, und ähnlich nutzbar wie die Weckgläser. Statt einem Glasdeckel hat man einen Metalldeckel, der durch einen Schraubring fixiert wird. Diese Gläser kann man gut im Schnellkochtopf einkochen. Während die Bolognese im Weckautomaten ca. 70min kochen muss, ist sie mit diesem Prinzip in nur 15min eingekocht. Nachteil ist die Sicherheit. Wenn sich im Weckglas Gammel bildet, dann gärt es und das der Deckel liegt nur noch lose auf. Durch den Schraubverschluss hat man diesen Indikator beim Leifheitglas nicht. Möglicherweise ist der Deckel etwas gewölbt. Muss man halt schon einen geübten Blick haben.
Noch Fragen ? 


Kommentare:

  1. Danke für deine Erklärung.
    Ich habe bisher auch immer gedacht, dass Einwecken eher was ist, was unsere Oma gemacht hat... vorwiegend mit dem Obst aus unserem Garten.
    Aber die Idee, auch herzhafte Sachen einzuwecken wie Bolognese und Gulasch gefällt mir sehr gut.
    Selbstgemachte Wurst, wie zB Leberwurst und Mette kenn ich bereits. Das macht mein Vater hin und wieder.

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  2. ich habe mir heute eine Menge Weckgläser organisiert und fehlendes Zubehör bestellt. ich beginne mit Kuchen im Glas und dann taste ich mich vor. Als nächstes werde ich das Buch besorgen und dann mal sehen ob das Ersparte reicht für einen Einkochautomat.
    Danke für die Inspiration :-)

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  3. Was spricht denn gegen Bolognese oder ähnliches in Twist Gläsern? Auch darin kann man doch die Lebensmittel erhitzen und das Vakkum bildet sich doch auch? Oder dürfen die Metalldeckel nicht in den Einkochautomaten bzw. Backofen?

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    1. Einkochen kann man mit Twistdeckeln nicht. Da liegt scheinbar ein Missveständnis vor. In Twistgläser füllst du heiss ein, verschliesst und beim Abkühlen bildet sich ein Vakuum. Twistgläser nutzt Du für Dinge, die schon eine natürliche Konservierung besitzen. Z.B. Zucker und/oder Säure - eben wie bei Marmelade.
      Für Fleisch kommt diese Methode nicht in Frage. Halte ich für lebensgefährlich.

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  4. Man kann in Twistgläsern genauso einkochen wie mit der klassischen Gummi/Klammer Methode, und natürlich auch Hackfleischsoße oder ähnliches. Ich mache das nach der in diesem Buch http://www.amazon.de/gp/product/3939789259/ref=pd_lpo_sbs_dp_ss_1?pf_rd_p=330045107&pf_rd_s=lpo-top-stripe&pf_rd_t=201&pf_rd_i=3928840258&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_r=139TMAQCNTQ4A2WMQRB9 beschriebenen Methode im Schnellkochtopf und es funktioniert einwandfrei (bisher hatten wir keine Todesfälle zu verzeichnen). Wäre irgendetwas nicht in Ordnung, würde man das beim Twistglas auch sofort merken, der Deckel würde dann "knacken".

    Ansonsten Danke für die anregende Seite, ich habe jetzt eine ganze Weile interessiert gestöbert!

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